Junger Mann vor Computer
Aug 18, 2016 // NACHRICHTEN

Digitales Lernen: Ausbildung 4.0 ist noch unterentwickelt

Das Lernen mithilfe digitaler Medien spielt in Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben in Deutschland bislang eine untergeordnete Rolle. Dabei nutzen Jugendliche gern digitale Lernformate. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.

Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in Deutschland laufen Gefahr, beim Umgang mit digitalen Medien den Anschluss zu verpassen. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Monitor Digitale Bildung der Bertelsmann-Stiftung. Zwar werde in Berufsschulen viel mit digitalen Präsentationstools gearbeitet, andere digitale Lernformate würden jedoch eher selten genutzt. Zuhause lernten Auszubildende dagegen vor allem mithilfe von Wikis, Videos, Chat- Diensten, elektronischen Tests und sozialen Netzwerken. Und sie wünschten sich auch von ihrer Berufsschule einen stärkeren Einsatz digitaler Medien, so die Studienautoren.

Oft unzureichende Infrastruktur an Berufsschulen

"Digitales Lernen ist weit mehr als ein Imagefaktor. Berufsschulen und Betriebe brauchen Strategien fürs digitale Zeitalter. Nur so können sie das Potenzial neuer Technologien für chancengerechte Bildung nutzen", sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Oft hapere es jedoch schon an einer ausreichenden Infrastruktur: Nur in 38 Prozent der Berufsschulen sei die W-Lan-Qualität ausreichend. Rund 40 Prozent haben der repräsentativen Studie zufolge gar kein W-Lan. Daneben mangele es auch an didaktischen Konzepten.

Digitale Lernformate überzeugen nur jeden dritten Lehrer

Berufsschullehrer setzten im Unterricht zwar mehrheitlich (97 Prozent) das Internet zur Recherche ein, aber nur jede dritte Lehrkraft arbeite mit Lernmanagementsystemen, Selbstlernprogrammen oder entwickle selbst Inhalte, heißt es in der Studie. Insgesamt sei nur jeder dritte Berufsschullehrer davon überzeugt, mit digitalen Lerntechnologien bessere Lernergebnisse bei seinen Schülern zu erzielen.

Aufholbedarf in der betrieblichen Ausbildung

Noch größer als in den Berufsschulen ist das Defizit in den Unternehmen: Nur 30 Prozent der betrieblichen Ausbildungsleiter messen dem digitalen Lernen eine Bedeutung zu, in den Schulen sind dies immerhin 62 Prozent. Viele Rektoren und Ausbildungsleiter sähen im Einsatz digitaler Lernhilfen jedoch weniger eine strategische Herausforderung als vielmehr einen Imagefaktor, schreiben die Studienautoren. Man sei sich einig, dass die Nutzung digitaler Medien zur Attraktivität und zum positiven Image des Betriebs bzw. der Berufsschule betrage.

Sonderprogramm für Digitalisierung der beruflichen Bildung

Um die Digitalisierung der betrieblichen Ausbildung voranzutreiben, hat das Bundesbildungsministerium Anfang dieses Jahres ein Sonderprogramm im Umfang von maximal 74 Millionen Euro bis 2019 vorgelegt. Darin heißt es, Auszubildende müssten künftig beispielsweise mit 3-D-Druckern oder Drohnen umgehen können. Das Ziel ist laut Ministerium, "modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Ausbildenden zu ermöglichen".

Über die Studie

Für den "Monitor Digitale Bildung" befragte das MMB-Institut in Essen für die Bertelsmann Stiftung rund 1700 Auszubildende, 300 Berufsschullehrer, 120 Schulleiter, 200 betriebliche Ausbilder, 50 Ausbildungsleiter und 30 Experten aus Kammern, Berufsverbänden und Behörden.

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