Schnecke auf Netzwerkkabel
Sep 8, 2016 // NACHRICHTEN

Mittelstand surft auf der Kriechspur

Mittelständische Unternehmen in Deutschland begnügen sich oft mit langsamen Internetverbindungen. Das zeigt eine repräsentative Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die Vertreter von 1108 Unternehmen mit 20 bis 500 Mitarbeitern aus verschiedenen Branchen befragt wurden.

Rund ein Viertel (24 Prozent) der Befragten nutzt der Studie zufolge Internetverbindungen mit Übertragungsraten von weniger als 10 Mbit/Sekunde. Über die Hälfte (60 Prozent) surft mit 10 bis 50 Mbit/Sekunde. Und lediglich 7 Prozent der Unternehmen sind im Web mit mehr als 50 Mbit/Sekunde unterwegs.

Oft langsamer als technisch möglich

In vielen Unternehmen surfen die Nutzer mit geringeren Geschwindigkeiten im Internet als technisch prinzipiell möglich wäre. So konnten beispielsweise Ende 2015 laut dem Breitbandatlas der Bundesregierung 67 Prozent der Unternehmen an Gewerbestandorten selbst dann über eine Bandbreite von mehr als 50 Mbit/Sekunde verfügen, wenn sie keine speziellen Businessangebote wie Standleitungen oder eine Anbindung per Richtfunk nutzen wollten. "Die meisten Mittelständler sind im Internet auf der Kriechspur unterwegs", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Den Hauptgrund dafür sieht er in dem häufig noch niedrigen Digitalisierungsgrad innerhalb vieler Unternehmen. So verwenden der Umfrage zufolge beispielsweise nur 30 Prozent der Unternehmen unter 500 Mitarbeitern Cloudlösungen.

Leistungsfähige Verbindungen wichtig

Mit fortschreitender Digitalisierung und mit der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle werden Cloudanwendungen, Big-Data-Analysen, Videokonferenzen, Virtual-Reality-Anwendungen und ähnliches mehr nach Einschätzung Rohleders auch in mittelständischen Unternehmen vermehrt zum Einsatz kommen müssen. Wer am Internetzugang spare, spare definitiv an der falschen Stelle. Auch für kleine und mittelgroße Unternehmen sei es wichtig, eine hochleistungsfähige Breitbandinfrastruktur vorzuhalten. Die Netzbetreiber haben laut Rohleder seit dem Jahr 2000 mehr als 170 Milliarden Euro für den Netzausbau ausgegeben. "Wenn wir die digitale Transformation voranbringen wollen, genügt die Infrastruktur allein nicht. Sie muss von den Unternehmen auch genutzt werden", so der Bitkom-Hauptgeschäftsführer.

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