älterer Mann im Büro
Aug 8, 2017 // NACHRICHTEN

Weiterbeschäftigung: Was Rentner im Betrieb hält

Viele Arbeitgeber möchten ihre qualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter nach deren Erreichen des Rentenalters weiterbeschäftigen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist der Frage nachgegangen, wie oft den Betrieben dies gelingt und welche Maßnahmen Senioren zum Bleiben bewegen.

Im Zuge des demografischen Wandels gewinnen ältere Beschäftigte für die Betriebe an Bedeutung. Jedes dritte Unternehmen mit Mitarbeitern, bei denen der Renteneintritt erfolgt ist oder bevorsteht, versucht diese zu halten. Insgesamt boten Arbeitgeber in Deutschland im Jahr 2015 mehr als 170000 Beschäftigten (von insgesamt 647000), die das Renteneintrittsalter erreichten, eine Weiterarbeit im Betrieb an. In 143000 Fällen waren sie damit erfolgreich. Diese Zahlen hat eine repräsentative Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in rund 13000 Unternehmen ergeben.

Stark motivierend: kürzere und flexiblere Arbeitszeiten

Viele Senioren ließen sich der Erhebung zufolge durch kürzere Arbeitszeiten überzeugen. Dies gaben 60 Prozent der befragten Betriebe an. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Arbeitgeber konnte mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit Erfolge erzielen. Auch eine Veränderung des Tätigkeitsprofils erwies sich in einigen Unternehmen (17 Prozent) als ein erfolgreiches Instrument. Weniger verlockend waren hingegen offenbar eine höhere Entlohnung, Prämien oder Beförderungen – nur 13 Prozent der Unternehmen konnten ihre Rentenberechtigten auf solche Weise halten.

Häufigster Grund für Rentnerbeschäftigung: fehlende Nachwuchskräfte

Die Maßnahmen unterscheiden sich zwar, doch der Grund für das Buhlen der Arbeitgeber um ihre älteren Beschäftigten ist meistens der gleiche: Vielen Unternehmen gelingt es nicht, rechtzeitig zum Ausscheiden der erfahrenen Mitarbeiter passende Nachwuchskräfte einzustellen. Bei Fachkräfteengpässen im Unternehmen steige die statistische Wahrscheinlichkeit, rentenberechtigte Mitarbeiter weiterbeschäftigen zu wollen, um 21 Prozentpunkte, so die Forscher des IAB. Vor allem für kleine Unternehmen könne das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern einen großen Verlust an Fachkompetenz bedeuten. Erschwerend komme hinzu, dass es für Kleinbetriebe tendenziell schwieriger sei, ausscheidende Mitarbeiter durch Neueinstellungen adäquat zu ersetzen. Dementsprechend versuchten im Jahr 2015 erheblich mehr Kleinbetriebe (32 Prozent), rentenberechtigte Beschäftigte zu halten, als größere Betriebe (11 Prozent).

Findet Anklang: die Flexirente

Überwiegend positiv schätzten die an der IAB-Befragung teilnehmenden Unternehmen die Regelungen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf der Grundlage des Flexirenten-Gesetzes ein. Insbesondere der Wegfall der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für altersrentenberechtigte Mitarbeiter und die großzügigeren Hinzuverdienstmöglichkeiten im Rahmen einer Teilrente kommen gut an.

Weitere Zahlen und Informationen enthält die IAB-Analyse, die sich hier herunterladen lässt.

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