Metallindustrie
06.04.2017 // PRODUKT-WELT

Fremdfertigung richtig in die eigene Produktion einbinden

Viele Fertigungsunternehmen lagern Produktionsprozesse aus und beziehen Bauteile, Zwischenprodukte und weitere Leistungen von Lieferanten. Die Herausforderung besteht darin, Eigenfertigung und Fremdfertigung miteinander in Einklang zu bringen.

Bestimmte Leistungen im Produktionsprozess fremd zu beziehen ist für Industrieunternehmen spätestens seit der Öffnung asiatischer Staaten für ausländische Investoren in den 1970er-Jahren gängige Praxis. Die Öffnung Osteuropas Anfang der 1990er-Jahre und die Globalisierung haben den Trend zur „verlängerten Werkbank“ weiter verstärkt. Mit der digitalen Transformation hat zudem ein Veränderungsprozess eingesetzt, der zu noch stärker fragmentierten Wertschöpfungsketten führen wird – Stichwort: Industrie 4.0.

Organisatorische Voraussetzungen schaffen

Aber nicht nur Global Player, auch kleine und mittelgroße Unternehmen lagern Produktionsprozesse zunehmend aus. Die Gründe für solche Make-or-Buy-Entscheidungen sind meistens wirtschaftlich-pragmatischer Natur. Oft fehlt es beispielsweise im eigenen Betrieb an Maschinen und Know-how, um spezielle Arbeitsschritte, wie etwa die Bestückung von Leiterplatinen oder das Eloxieren von Oberflächen, selbst durchzuführen. Wer sich dafür entscheidet, im Rahmen des Produktionsprozesses Leistungen einzukaufen, der muss auch die organisatorischen Voraussetzungen für ein Outsourcing schaffen. Hier gilt: Je mehr Leistungen von Fremdfertigern erbracht werden, desto wichtiger ist eine transparente Verwaltung, mit deren Hilfe man den Überblick behält. Beispielsweise sollte man zu jedem Zeitpunkt wissen, welche Fremdleistungen für einen Artikel in Auftrag gegeben wurden und welche Aufträge bei Fremdfertigern aktuell umgesetzt werden.

Das Material im Blick haben

Elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Fremdfertigung ist ein reibungsloser Materialfluss: Der Fremdfertiger erhält vom Auftraggeber das zu bearbeitende Material, das er in einem separaten Materiallager führt. Nach erbrachter Leistung liefert er das bearbeitete Material an den Auftraggeber. Wie gut diese Abläufe in der Praxis funktionieren, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Zum einen müssen die Partner zuverlässig liefern. Zum anderen braucht es eine aktuelle Bestandsführung und Mengenverwaltung, die einem jederzeit zeigt, welches Material in welcher Menge bei den Fremdfertigern vorliegt. Denn nur auf diese Weise lässt sich das Material ermitteln, das jeweils für einen Auftrag an den Fremdfertiger zu liefern ist.

Kosten der Fremdleistung berücksichtigen

Hat der Fremdfertiger die bestellte Leistung erbracht, erhält der Auftraggeber hierüber eine Rechnung. Hier kommt es darauf an, diese Rechnung im Zuge der Rechnungseingangskontrolle der Bestellung zuzuordnen. Außerdem ist es wichtig, die Kosten der Fremdleistung im Rahmen der Vorkalkulation zu berücksichtigen.

Professionelle Software nutzen

Fremdfertigungsprozesse in die eigene Fertigung einzubinden, ist keine triviale Aufgabe. Es gilt, laufend den Überblick zu behalten, den Materialbedarf zu ermitteln und – quasi in Echtzeit – die Bestände zu verwalten. Mit Excel und Co. ist das nicht vernünftig zu bewerkstelligen. Aus diesem Grund sind kleine und mittelständische Produktionsunternehmen gut beraten, eine professionelle Software zu nutzen, die die fertigungsspezifischen Funktionen mit der Warenwirtschaft verknüpft.

Abrufhistorie der Fertigungssoftware
Fremdfertigung – so unterstützt Fertigungssoftware das Unternehmen

Mit der HS Auftragsbearbeitung und dem Modul Fertigung steht eine Software zur Verfügung, mit der kleine und mittelständische Produktionsunternehmen den Fertigungsdurchlauf einschließlich der Fremdfertigungsprozesse übersichtlich organisieren können.

Die Lösung unterstützt den Benutzer dabei, den Materialbedarf für die zu fertigenden Artikel zu ermitteln. Außerdem zeigt sie ihm an, welches Material in welcher Menge bestellt werden muss. Da die fertigungsspezifischen Funktionen mit dem Warenwirtschaftssystem verknüpft sind, ist die Bestandsführung zu jedem Zeitpunkt aktuell.

Im Fertigungsvorschlag (auftragsbezogen oder auf Basis der Lagerbestände) bestimmt die Software den Materialbedarf und erkennt automatisch, welche Leistungen von welchen Fremdfertigern zu erbringen sind. Bestätigt der Benutzer den Vorschlag, wird für das ermittelte Material ein Fremdfertigungsauftrag erzeugt, der als Beleg an den Fremdfertiger mit ausgeliefert wird.

Auch die Bestellungen der Leistungen beim Fremdfertiger werden mithilfe der Software generiert. So lässt sich überblicken, welche Aufträge bei Lieferanten offen sind. Geht die Ware bzw. die Fremdleistung ein, werden die gelieferten Mengen durch die Fertigmeldung des Auftrags automatisch wieder zugebucht. Damit stehen sie für weitere Fertigungsprozesse zur Verfügung. Weiterhin ordnet die Software die Eingangsrechnung des Lieferanten der Bestellung zu, wodurch der Belegfluss abgeschlossen wird. Das sorgt für Transparenz, da die Lösung alle Belege zu einem Auftrag in einer Abrufhistorie auflistet.

Bildnachweis:taaee/Fotolia (oben), HS - Hamburger Software (unten)