Matthias Kahle
Nov 16, 2015 // RALLYE

Kahle:"Wenn wir nicht im Schlamm buddeln, bin ich zufrieden."

Am Donnerstag beginnt für das HS RallyeTeam ein neues Kapitel Motorsportgeschichte. Die East African Safari Classic Rallye ist für die Mannschaft aus Hamburg die erste Veranstaltung nach dem Ausstieg von der Rallye Dakar. Im Interview spricht HS Pilot Matthias Kahle über Staub und Schlamm, alte und neue Autos und 150-Kilometer-Monster.

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Matthias, deine letzte Veranstaltung in Diensten des HS RallyeTeams war die Rallye Marokko 2013 im Offroad-Prototypen SAM 30D CC. Jetzt fahrt ihr einen 1973er Datsun 260Z. Wie schwer ist der Umstieg in solch einen „Oldtimer“?

Matthias Kahle: Die Unterschiede sind gewaltig. Beide Autos haben vier Räder und einen Motor, das sind aber auch schon fast alle Gemeinsamkeiten. Der SAM hatte Allradantrieb, einen Turbodiesel, der ein wahnsinniges Drehmoment entwickelt, und vor allem einen ellenlangen Federweg. All das hat der Datsun nicht, darin spürt man jede Bodenwelle. Außerdem hat der 260Z natürlich keine Servolenkung. Man braucht viel mehr Kraft, um so ein Auto schnell zu fahren. Trotzdem passt die Bezeichnung ‚Oldtimer‘ nicht wirklich. Unter der Haube sind teils Materialien verbaut, die aktuell auch in der Rallye-Weltmeisterschaft eingesetzt werden. Der Datsun hat also auch etwas von einem Wolf im Schafspelz.

Was wird für euch die größte Herausforderung bei der Safari?

Für mich persönlich ist es vermutlich die Tatsache, dass es sich bei dem Datsun um einen Rechtslenker handelt. Ich bin noch nie einen Rechtslenker im Wettbewerb gefahren, darauf muss ich mich bestimmt erst einmal einstellen. Zum Beispiel beim Schalten mit der linken Hand: Wo sind welche Gänge? Oder wenn es darum geht, die Größe des Autos abzuschätzen. Da brauche ich sicher ein paar Kilometer zum Eingewöhnen.

Und vor welchen Streckenbedingungen habt ihr als Neulinge den größten Respekt?

Ganz eindeutig vor dem afrikanischen Schlamm, der ist wie Schmierseife. Bei der Silk Way Rallye hatten wir mal eine matschige Passage, wo wir mit dem Buggy kilometerweit nicht schneller als 20 km/h fahren konnten. Das hatte wenig mit Autofahren zu tun. Man kämpft sich nur durch. Hier fehlt uns auch die Erfahrung. Welche Linie wählt man am besten? Mit welchem Speed kann man durchfahren? Wenn wir bei der Rallye nicht im Schlamm buddeln müssen, wäre ich schon sehr zufrieden. Da sind mir staubige, trockene Pisten tausend Mal lieber.

Die längste Prüfung der Safari führt über mehr als 150 Kilometer und ist damit länger als ein kompletter Lauf zur Deutschen Rallye-Meisterschaft. Wie geht man so eine Prüfung an?

Ich denke, dass man sich die gesamte Rallye sehr klug einteilen muss. Die Service-Zeiten während des Tages und am Abend sind stark begrenzt, deswegen muss man immer darauf achten, nicht viel kaputt zu fahren. Da macht es keinen großen Unterschied, ob man jetzt einen 20-Kilometer-Sprint oder so ein 150-Kilometer-Monster vor sich hat. Wobei man sich das Tempo bei den langen Prüfungen schon etwas mehr einteilt. Man hat ja maximal zwei Reserveräder an Bord – das heißt, dass ein dritter Plattfuß fatal sein kann. Für uns sind so lange Prüfungen aber nichts Neues, bei der Dakar sind wir schon 600, 700 Kilometer am Stück gefahren. Daher sollten die Distanzen für uns kein Problem darstellen. Das heißt aber nicht, dass wir die Rallye ohne Respekt angehen. Die Safari gilt nicht ohne Grund als härteste Veranstaltung in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft. Wir werden also mit Bedacht beginnen und versuchen, dass wir die Safari bezwingen und nicht umgekehrt.

Impressionen von der East African Safari Classic 2015.

Über das HS RallyeTeam

Das HS RallyeTeam zählt zu den erfolgreichsten werksunabhängigen Teams im Marathonrallyesport. Die Bilanz bei 17 Starts seit 2004: sieben Klassensiege, unter anderem bei der Dakar 2009 und 2011, und drei zweite Plätze. Bei der Rallye Dakar 2011 gelang dem HS RallyeTeam als erste Buggy-Mannschaft seit 2006 sogar der Sprung in die Top Ten der Gesamtwertung. Im Jahr 2015 versucht sich das Team in einer neuen Herausforderung: Die Mannschaft aus Hamburg wird in einem Datsun 260Z an der härtesten Klassik-Rallye der Welt, der East African Safari Classic Rallye, teilnehmen. Als Fahrer vertraut das HS RallyeTeam nach wie vor auf den siebenfachen Deutschen Rallyemeister Matthias Kahle (Köln). Neben ihm nimmt der erfahrene Copilot Dr. Thomas M. Schünemann (Hamburg) Platz, der nicht nur auf Rallyestrecken erfolgreich unterwegs ist, sondern auch als Gründer und Geschäftsführer der HS - Hamburger Software GmbH & Co. KG agiert und langjähriger Vizepräses der Handelskammer Hamburg war.

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Bildnachweis:Kreiss