Rallyeauto in kenianischer Steppe
Mar 1, 2016 // RALLYE

Safari-Rally: Eine Reise in eine andere Welt

Das Wort Safari stammt aus der Swahili-Sprache und bezeichnet dort eine Reise – und das ist die Safari-Rally gleich im mehrfachen Sinne. Die neuntägige Veranstaltung bringt die Fahrer nicht nur in zwei exotische Länder, sondern auch an die eigene Belastungsgrenze oder in eine andere Epoche, wie die HS-Piloten Matthias Kahle und Dr. Thomas M. Schünemann eindrucksvoll schildern.

"Die Uhren scheinen hier vor 50 Jahren stehen geblieben zu sein", staunt Dr. Thomas M. Schünemann, als er sich am Fuße des Kilimandscharo aus dem metallicblauen Datsun 260Z schält. Dabei bezieht sich der Rallye- Navigator nicht nur auf den über 40 Jahre alten Sportwagen, auf den das HS RallyeTeam bei der jüngsten East African Safari Classic Rally vertraute. "Wenn man in einem Oldtimer durch die offene Savanne fährt, hat man wirklich das Gefühl, man wäre noch in den 60er-, 70er-Jahren. Man sieht Massai in ihren traditionellen Gewändern, urtümliche Lehmhütten und frei herumlaufende Ziegen und Kühe."

Thomas Schünemann
Die Safari war eine Grenzerfahrung.

Dr. Thomas M. Schünemann
HS RallyeTeam

"Man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt"

Das Klingeln eines Handys bringt einen ins 21. Jahrhundert zurück – und das Geräusch kommt nicht etwa aus der Hosentasche von Thomas Schünemann oder der von Matthias Kahle. Ein neben ihnen stehender Massai schiebt seinen roten Umhang, Shouka genannt, zur Seite und drückt auf das Display seines Smartphones. Ja, Mobiltelefone sind auch im ostafrikanischen Busch zum ständigen Begleiter geworden, und die Netzabdeckung ist oft besser als in Mitteleuropa. "Mal fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt, und dann landet man doch wieder im Jahr 2016", beschreibt Schünemann die rasanten Zeitsprünge.

HS RallyeTeam Safari-Rallye
"Das Wasser stand bis zur Hüfte im Auto"

Die Safari-Rally wird ihrem Namen jedoch nicht nur im zeitlichen Sinne gerecht, sie ist auch eine Reise an die Grenzen der Physik. "Das Fahren in Afrika ist ein ständiger Balanceakt. Auf der einen Seite will man möglichst schnell fahren, auf der anderen Seite will man das Auto nicht zerstören", erklärt Matthias Kahle die Herausforderung der 3353 Kilometer langen Tour. Dem siebenfachen Deutschen Rallye- Meister ist vor allem der erste Tag besonders im Gedächtnis geblieben. An der schwül-heißen Küste verwandelte ein tropischer Schauer eine Schotterstraße in wenigen Minuten in einen Fluss, in dem fast die komplette Rallye versumpfte. "Das Wasser stand bis zur Hüfte im Auto", erzählt Kahle mit ungläubigem Kopfschütteln. "Das hat sich wie eine kalte, dreckige Badewanne angefühlt. Zum Glück war es draußen so heiß, dass einen zumindest die Temperatur der Brühe nicht gestört hat. Trotzdem habe ich mich selten so sehr über eine Dusche gefreut!"

"Jeden Tag den inneren Schweinehund überwinden"

Die Safari brachte Technik und Fahrer an die Grenze der Belastbarkeit, wie das HS RallyeTeam leidvoll erfahren musste. Matthias Kahle stauchte sich bei einer Flussdurchfahrt das Handgelenk, Thomas Schünemann zog sich am heißen Kardantunnel, der mittig durchs Fahrzeug verläuft, eine schmerzhafte Verbrennung am Fuß zu. Trotz dieser Handicaps kämpften sich die Deutschen bis zum Ende durch. "Während der Rallye war es schon so, dass wir jeden Tag unseren inneren Schweinehund überwinden mussten und uns aufs Neue motivieren mussten, trotz der Schmerzen wieder ins Auto zu steigen", erinnert sich Schünemann.

Matthias Kahle
Das Fahren in Afrika ist ein ständiger Balanceakt.

Matthias Kahle
HS RallyeTeam

"Eines der schönsten Erlebnisse meiner Rallyekarriere"

Im Nachgang sieht der Kopilot die Safari-Rally jedoch mit anderen Augen. "Die Safari war eine Grenzerfahrung, aber es war auch eines der schönsten Erlebnisse meiner Rallyekarriere. Die Strecken, die Menschen, die Landschaften – die Safari war wie eine Reise in eine andere Welt." Und für Thomas Schünemann auch eine in die eigene Vergangenheit, schließlich hatte ihn dieses Abenteuer vor fast 50 Jahren mit dem Rallyevirus infiziert.

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Bildnachweis:McKlein, McKlein (unten)