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20.01.2015 // TOP-THEMEN

"Sicherheitstechnologie in die breite Nutzung bringen"

Von der öffentlichen Hand initiiert, im Verbund mit der Wirtschaft realisiert: De-Mail soll Unternehmen, Privatpersonen und Behörden eine nachweisbare und geschützte Kommunikation im Web ermöglichen, die sich so leicht wie e-mail nutzen lässt. Die IT -Beauftragte der Bundesregierung, Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe, spricht im Interview über die Motivation des Gesetzgebers sowie über Anwendungsmöglichkeiten und Zukunftsaussichten des Verfahrens.

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Frau Staatssekretärin, De-Mail wurde im Jahr 2011 per Gesetz aus der Taufe gehoben. Welche Motivation steckte dahinter?

Cornelia Rogall-Grothe: Unser wichtigstes Ziel war es, den Bürgerinnen und Bürgern eine Technologie anzubieten, die den Schutz elektronischer Nachrichten und Dokumente vor Missbrauch im Internet verbessert und gleichzeitig einfach eingesetzt werden kann. Bei der Anwendung sollte De-Mail nicht schwieriger sein als eine normale e-mail, damit wir Sicherheitstechnologie endlich mehr in die breite Nutzung bringen. Denn bei De-Mail sind die wesentlichen Sicherheitsfunktionen gewährleistet: De-Mails werden auf ihrem Weg durch das Internet verschlüsselt, sodass die Inhalte etwa vor dem Mitlesen geschützt sind. Zudem weiß man, mit wem man kommuniziert, weil die Teilnehmer vorher sicher identifiziert werden. Darüber hinaus kann jederzeit ein Nachweis über den Versand bzw. Empfang einer De-Mail erbracht werden. Das bietet den De-Mail-Nutzern Rechtssicherheit. Mit diesen drei Eigenschaften – verschlüsselt, authentisch, nachweisbar – werden die Schwächen der weit verbreiteten Kommunikation per e-mail behoben.

Wie steht es derzeit um die Akzeptanz und Verbreitung des neuen Verfahrens bei den verschiedenen Nutzergruppen (Privatpersonen, Unternehmen)?

De-Mail ist eine vergleichsweise junge Technologie und daher dauert es wie immer bei der Einführung neuer Technologien einige Zeit, bis die kritische Masse von Nutzern erreicht ist. Hier sind wir aber auf einem guten Weg. Bei De-Mail haben wir ja den Vorteil, dass Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Märkten den De-Mail-Standard mit eigenen Produkten umsetzen und De-Mailim eigenen unternehmerischen Interesse nach vorne bringen. Ein wichtiger Multiplikator wird aber sein, dass Unternehmen diese Technologie für die elektronische Kommunikation mit ihren Kunden anbieten. Das heißt, je mehr Unternehmen De-Mail integrieren und ihren Kunden damit die technischen Möglichkeiten zur Nutzung von De-Mail erschließen, desto mehr Menschen lernen die Vorteile von De-Mail kennen und schätzen. Die Einführung der De-Mail bei der HS - Hamburger Software ist daher ein wichtiges Signal, das ich sehr begrüße. Es zeigt, dass nach den großen Versicherungskonzernen, von denen sich einige bereits bei der Entwicklung und Pilotierung von De-Mail mit großem Engagement beteiligt haben, immer mehr Branchen auf De-Mail setzen.

Und wie sehen Sie die Entwicklung im Bereich der öffentlichen Verwaltung?

Auch hier gibt es große Fortschritte. Die Verwaltung ist ein wichtiger Kommunikationspartner für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Verwaltung selbst Impulse setzt und die bestehenden nationalen IT- Sicherheitstechnologien, vor allem also den neuen Personalausweis und De-Mail, nutzt. Hier leistet das E-Government-Gesetz einen wichtigen Beitrag, indem Bundesbehörden u. a. verpflichtet werden, den Zugang zu De-Mail zu eröffnen. Außerdem wird es in vielen Fällen möglich, die gesetzlich angeordnete Schriftform in der Kommunikation mit der Verwaltung elektronisch durch De-Mail zu ersetzen. Viele Bundesländer bereiten bereits entsprechende Landesgesetze vor. Es ist also nicht mehr die Frage, ob De-Mail von Behörden eingeführt wird, sondern wann sie ihre Zugänge für De-Mail eröffnen.

Welche konkreten De-Mail-Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Und wie können insbesondere Unternehmen davon profitieren?

De-Mail schützt zunächst einmal bei jeder Verwendung die Sicherheit der elektronischen Nachricht vor Missbrauch. Wenn also eine Nachricht zuverlässig vertraulich verschickt werden soll, bietet sich ihr Versand per De-Mail an. Unternehmen signalisieren ihren Kunden und Geschäftspartnern mit der Nutzung von De-Mail, dass sie sorgsam mit sensiblen Daten umgehen und ihren Schutz sehr ernst nehmen. Das gilt für Angebote, Bestellungen, Verträge und Kontoinformationen ebenso wie für Rechnungen oder Gehaltsmitteilungen, oder ganz aktuell die Umstellung auf SEPA, bei der die Nachweisbarkeit der Zustimmung zur Abbuchung ja eine wesentliche Rolle spielt. Darüber hinaus kann ein sehr viel größerer Teil der noch papiergebundenen Kommunikation mit De-Mail elektronisch, also ohne Medienbrüche erfolgen. Damit können Unternehmen ihren Papierverbrauch reduzieren und sich die Kosten für Druck und Versand sparen. Diese Kosteneffekte können Unternehmen an ihre Kunden weitergeben und sich damit wiederum gut im Wettbewerb positionieren.

Welche Sicherheit bietet De-Mail den Nutzern, etwa im Vergleich mit den bereits bestehenden Verschlüsselungs- und Signaturverfahren?

Die bereits bestehenden Verschlüsselungs- und Signaturverfahren haben sich nicht in der Breite durchgesetzt. Das liegt u. a. daran, dass diese Verfahren vielfach voraussetzen, dass der Nutzer selbst die entsprechenden Software- und Hardware- Komponenten installiert und die für seine Kommunikation benötigten Schlüssel selbst verwaltet. Bei De-Mail sollten die Hürden daher auch für nicht technikaffine Menschen so gering wie möglich sein. Niemand muss für den Einsatz von De-Mail eine neue Technikkomponente auf seinem Computer installieren. Wer bereits weitere Sicherheitstechnologien auf seinem Endgerät installiert hat, z. B. zur qualifizierten elektronischen Signatur oder zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, kann diese problemlos zusätzlich zu De-Mail einsetzen. Aus diesem Grund sind die De-Mail-Anbieter verpflichtet, einen Verzeichnisdienst anzubieten, in dem die für die Verschlüsselung erforderlichen öffentlichen Schlüssel anderer De-Mail-Nutzer verfügbar gemacht werden können.

Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung von De-Mail perspektivisch ein?

Derzeit gibt es vier akkreditierte De-Mail-Anbieter. Zwei von ihnen haben gemeinsam rund 2/3 Marktanteil bei den e-mail-Diensten und bieten ihren Kunden kostenfreie De-Mail-Basisdienste an, die den Einstieg in die De-Mail-Kommunikation erleichtern. Von daher gehe ich von einer raschen weiteren Verbreitung von De-Mail aus. Generell können wir feststellen, dass sich der De-Mail- Markt positiv entwickelt: Es gibt immer mehr branchenspezifische Produkte und Dienstleistungen rund um De-Mail.

Cornelia Rogall-Grothe
Cornelia Rogall-Grothe

Cornelia Rogall-Grothe ist Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern (BMI) und Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik.

Bildnachweis:Yuri/iStockphoto.com, BPA (unten)